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Symposium zum Thema „Ezidentum: Vom Oralen zum Schriftlichen“ - Überlieferungsprozesse im Fokus


Erforschen das Ezidentum: Prof. Linus Hauser (Mitte) mit den Referenten des Symposiums „Vom Oralen zum Schriftlichen

Eine Religion am Anfang ihrer wissenschaftlichen Selbstergründung – Ezidische Überlieferungsprozesse im Fokus eines universitären Symposiums
Gießen/Lollar


Vom 27.-28. Juli 2012 fand in den Räumen der Ezidischen Gemeinde Hessen (e.V.) und der Justus-Liebig-Universität Gießen ein Symposium zum Thema „Ezidentum: Vom Oralen zum Schriftlichen“ statt. Im Mittelpunkt der von rund 70 Tagungsteilnehmern verfolgten Vorträge standen dabei die Überlieferungsprozesse der ezidischen Religionsgemeinschaft und deren Konsequenzen für die gegenwärtige religiöse Praxis in der europäischen Diaspora.


Leben auch in Deutschland im Zuge zunehmender Migrationsprozesse aus dem Irak und der Türkei derzeit ca. 80.000 Eziden, sind die Anhänger der kurdische Religionsgemeinschaft dennoch den meisten Mitbürgern allenfalls in den Orientromanen Karl Mays bekannt. Mit dieser Ausgangssituation der Unwissenheit vertraut, zeigte sich auch Prof. Dr. Linus Hauser, Vorsitzender der 2011 gegründeten Christlich-Ezidischen-Gesellschaft für Zusammenarbeit in Forschung und Wissenschaft (CEG) und als Lehrstuhlinhaber der Professur für Systematische Theologie an der Justus-Liebig-Universität, zusammen mit der CEG verantwortlich für Entstehung und Organisation des Symposiums. In seinen Begrüßungsworten riet er zu einem genaueren  Blick auf die oftmals abseits der Integrationsinteressen stehenden Anhänger religiöser Minderheiten und verwies auf die im Umgang mit Eziden erfahrene hohe Integrationswilligkeit. Aber auch fern politischer Interessenlagen erweise sich eine nähere Erforschung des monotheistischen Ezidentums als hilfreich und notwendig, um zu einem vertieften Verständnis dieser Religion wie aber auch des eigen religiösen Selbstverständnisses zu gelangen.


Dass eine Erforschung des Ezidentums dabei nicht von einer Widerspruchsauffassung von Wissenschaft und Glaube geleitet sein dürfe, betonte im Weiteren Irfan Ortac, Gemeindevorsteher der Ezidischen Gemeinde Hessen und stellvertretender Vorsitzender der CEG. Es gelte die Anfänge einer wissenschaftlichen Erkundung der Eziden zu unterstützen, wobei fortwährend an einer Vermittlung der gewonnenen Erkenntnisse an die Gläubigen festgehalten werden müsse. Vor diesem Hintergrund scheint es nicht zufällig, in der Tagungstopographie Gemeindehaus und Uni-Hörsaal miteinander zu verbinden und  auch den wissenschaftlichen Vorträgen ein ezidisches Gebet, vorgetragen von dem aus Hamburg angereisten theologischen Gelehrten Adnan Xerawayi, voranzustellen.
Im Mittelpunkt des ersten von insgesamt fünf Vorträgen stand mit Sheikh Adi eine Zentralfigur des ezidischen Glaubens. Serhat Ortac zeichnete das tradierte  Bild des religiösen Reformators / Erneuerers  in der Spannung von Mythos und Wirklichkeit nach. Zwar ließen sich zahlreiche historische Quellen finden, die ein Leben und Wirken Sheik Adis in den Gebirgen der kurdischen Region rund um das ezidische Zentralheiligtum Lalish belegten, doch ergäben sich aus diesen kaum Anhaltspunkte über seine religiöse wie ethnische Abstammung wie auch hinsichtlich seines Einflusses auf das Ezidentum. Die Überlieferungsprozesse zur Person Sheik Adis bildeten daher auch ein gutes Beispiel für die Problemhorizonte oraler Religionstradierung und machten zugleich aufmerksam auf die sich oftmals vollziehende Durchdringung von Historie und Mythos in den ezidischen Glaubensvorstellungen.


Die von Chaukeddin Issa und Abdulaziz Abdallah gehaltenen Vorträge am Samstagvormittag führten die Auseinandersetzung mit Personen und Schriften des Ezidentums fort. Issa zeigte die Bedeutung der sogenannten Qewls, heiliger Hymnen und Gebete der Eziden, auf und gab eine Einführung in die dort dargelegten Mytheme und Glaubensinhalte. Er verwies dabei auf die Nähe einiger Texte zur religiösen Strömung des Sufismus und betonte wiederum deren Eigenstand gegenüber Überlieferungen der alt-iranischen Zarathustra-Religion. Mit Blick auf den Verlust von womöglich mehr als 10.000 Qewls, von denen heute gerademal noch 211 vorhanden seien, plädierte Issa für eine schriftliche Fixierung und Übersetzung der Texte und regte damit eine lebhafte Diskussion der Tagungsteilnehmer an. Der in Linz lebende Abdulaziz Abdallah gab im Weiteren einen grundlegenden Einblick in Glaubensinhalte und Entwicklungsformen des Ezidentums. Gutes und Böses habe in Gott einen gemeinsamen Ursprung in der von einem Sonnenkult getragenen Religion der Eziden. Jedwede Form des Dualismus und der Personifizierung des Bösen sei folglich dem Ezidentum fremd, was sich kontrastierend von dem außerhalb des Ezidentums gepflegten Bild einer Religion von Teufelsanbetern abhebe.


In den das Symposium abschließenden Vorträgen von Cihan Acar und Dr. Sefik Tagay standen dann die Herausforderungen im Blickfeld, vor die Eziden in der europäischen Diaspora gestellt sind. Acar machte dabei auf die Rolle der Migrantenvereine aufmerksam und zeigte anhand exemplarischer Studien Problemhorizonte und Lösungsansätze im selbstorganisierten Integrationsprozess auf. Dass der Migrationsprozess darüber hinaus einer eigenen psychologischen Hermeneutik bedarf,  erwies der Psychologe Dr. Sefik Tagay. Aus seinem aus Klinik- und Forschungsalltag reichen Erfahrungsgrund schöpfend, stellte er die spezifischen Problemlagen von ezidischen Migranten in der europäischen Diasporasituation dar. Mit kollektivistischen Vorstellungen und Wertmaßstäben vertraut seien Eziden hierzulande fortwährend mit Formen des Individualismus konfrontiert, woraus nicht selten eskalierende Konflikte resultierten. Für einen am Individualismus orientierten Umgang mit solchen Konfliktsituationen plädierend, wies Tagay dabei insbesondere auch auf das Problem ezidischer Heiratspraxis hin. Versteht sich das Ezidentum als Erbreligion, deren Weitergabe auf eine Heirat innerhalb der ezidischen Gemeinschaft angewiesen ist, ergeben sich daraus vor allem in der Diasporasituation Konflikte. Mit diesen sorgfältig umzugehen, sei eine Notwendigkeit in der psychologischen Arbeit mit Migranten, die nach weiterführenden Studien verlange, in deren Werdungsprozess Tagay den Tagungsteilnehmern einen exklusiven Einblick bot.  



 

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