Moderatorin und ÊJÊ Mitglied Giahn Mîro leitete in die Veranstaltung ein. Mit einer Trauerminute gedachte man den Opfer der Massaker der vergangenen Jahrhunderte. Selbstbewusst und gut organisiert zeigte sich die ÊJE als neuer aufstrebender Verein, der die Zeichen der Zeit verstanden hat und seinen Beitrag zur Erhaltung des religiösen und kulturellen Erbe des Êzîdentum beitragen möchte. Viyan Nesrat führte im weiteren Verlauf die Ziele des Vereines aus. Neben der Erhaltung und der Pflege des Êzîdentums, steht im Besonderen die Stärkung der êzîdîschen Identität im Fokus des jungen Vereines. Dies soll vor allem durch eine bessere Vernetzung und Kommunikation der verschiedenen êzîdîschen Organisationen in Deutschland jeglicher Gruppen geschehen. Auf Grundlage der Vermittlung demokratischer Werte soll auch die Integration der Êzîden in Deutschland gefördert werden, so Viyan Nesrat. Die Vorstandsvorsitzenden der Êzîdîschen Gemeinde in Essen (Mala Êzîdiyan Essen) Sheikh Salim Mîrza und Karim Sharo Rasho stellten in einem bündigen Vortrag den Verein der Êzîden in Essen vor, zu dem die ÊJE gehört.

In seinem Vortrag führte Hayrî Demir die Grundmerkmale der êzîdîschen Mythologie aus, im Besonderen die Bedeutung des Prinzips Tawisî Melek. Die anschließend folgende Fragerunde ließ das Interesse der Jugendlichen an ihrer eigenen Religion und Identität deutlich erkennen. Jedoch aber auch, dass besonders in diesem Bereich größere Anstrengungen seitens aller êzîdîscher Gemeinden zur Religionsvermittlung unternommen werden müssen.
Agit Kaidy und Viyan Nesrat führten anschließend mit ausgewählten Fragen in die Podiumsdiskussion ein. Die Teilnehmer diskutierten engagiert und beleuchteten zunächst die grundlegenden Probleme der êzîdîschen Gemeinschaft in Deutschland, um anschließend Lösungsansätze zu diskutieren. Verstärkt müsse auf die Bedürfnisse der Jugend eingegangen werden, um diese schon früh in ihrer Identität zu stärken, damit sie ein selbstbewusstes Leben innerhalb zweier Kulturen führen können. Die fehlende Einheit der Êzîden in Deutschland wurde ebenfalls thematisiert. Man müsse sich von alten Strukturen lösen, um die Einheit der Êzîden herbeizuführen zu können, so ein Teilnehmer der Diskussion. Als notwendige Grundvoraussetzung für längerfristige Ziele müsse die Kommunikation und der Austausch zwischen den Êzîden verstärkt werden. Dies könne sowohl über soziale Netzwerke geschehen als auch über regionale Gruppen.
Mit ihrer Auftaktveranstaltung begann die ÊJE einen seit langem überfälligen Prozess: die Selbstorganisation der êzîdîschen Jugendlichen in Deutschland. Nachdem sich êzîdîsche Jugendliche vermehrt innerhalb ihrer regionalen Gemeinden und Universitäten, wie in Bremen und Oldenburg organisiert haben, soll es zu einer Zusammenarbeit zwischen diesen Vereinigungen kommen. Die nächste Veranstaltung der ÊJE soll schon in Kürze stattfinden.
Das souveräne Auftreten der ÊJE macht deutlich, dass sich das Potenzial innerhalb der êzîdîschen Jugend beginnt zu forcieren. So und nur so könne man den kommenden Problemen gemeinsam entgegenwirken lautete der Gesamttenor der Teilnehmer.