Der SPD Vorsitzende, Wirtschaftsminister und Vizekanzler der Bundesregierung Sigmar Gabriel traf vergangenen Montag, 12.10.2015, mit Vertretern des Zentralrat der Yeziden in Deutschland zusammen.

Nach einer Podiumsdiskussion auf einer Versammlung der Oldenburger SPD (OV Eversten) in der Gabriel über TTIP aber insbesondere Flüchtlingsfragen Rede und Antwort stand ging es zu einem Zehn Augen Gespräch. Telim Tolan, (Vorsitzender des Zentralrates der Yeziden in Deutschland, ZYD) Sahap Dag (ZYD-Generalsekretär), Kheiri Khidir (yezidischer Richter aus Dohuk) und Holger Geisler (ZYD-Pressesprecher) berichteten über die immer noch katastrophale Unterbringung und Versorgungslage der Yeziden im Gebiet der autonomen Region Kurdistan (Nordirak).

Die ZYD-Vertreter sprachen von mehr als 180.000 Yeziden, die immer noch in Rohbauten, verlassenen Häusern und wilden Camps leben, häufig ohne Strom und ausreichende Wasserversorgung. Nur 160.000 Yeziden leben in Flüchtlingslagern. In einem 16qm-Zelt teilen sich 7 Personen die Unterkunft. Die Notwendigkeit weiterer Räume für Schulunterricht und Kinderbetreuung in den Camps wurde am Beispiel des Flüchtlingslagers Sharya aufgezeigt. In dieser Einrichtung werden jeweils 60 Kinder in 40qm Räumen täglich 2,5 Stunden unterrichtet. Obwohl völlig unzureichend, ist die Versorgungssituation in den anderen Camps noch schlechter. Da es an Lehrern nicht mangelt, würde eine entsprechende Unterstützung eine große Wirkung erzielen.

Der ZYD informierte auch über das Baden-Württemberger Programm zur Aufnahme von 1.000 schwerst traumatisierten Frauen. Die niedersächsische Landesregierung hat ebenfalls ein ähnliches Programm aufgelegt. Da der Bedarf an therapeutische Betreuung deutlich größer ist, wurde um die finanzielle Unterstützung für den Betrieb von Traumazentren in der Heimatregion gebeten.

Gabriel zeigte sich beeindruckt von den 44.000 Litern Trinkwasser, die der ZYD täglich, aus Spendengelder finanziert, zu den 10.000 Menschen in den Bergen liefern lässt und so zum Überleben beitragen. Sein Interesse galt auch dem ZYD-Betreuungszentrum in Sharya, wo für einen relativ geringen Etat über einen Zeitraum von einem Jahr 1.000 Frauen und Kinder betreut und geschult werden. Sorgenvoll wiesen jedoch die yezidschen Vertreter auf die ausgehenden Gelder für diese Hilfsprojekte.

Der Vizekanzler sagte zu, die Probleme in Partei und Regierungskreisen vorzutragen sowie in Kontakt mit dem ZYD zu bleiben. Khidir bat um eine Zusammenarbeit, um den Völkermord an den Yeziden und orientalischen Christen  durch die IS Barbaren in Kurdistan zu dokumentieren und gerichtsverwertbar beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vorstellen zu können. Zur weiteren Klärung wird ein Kontakt zum Justizministerium hergestellt.

Der Möglichkeit, das für Syrer mittlerweile ausgelaufene Umsiedlungs-Programm (Resettlement) des UNHCRs auch Yeziden und orientalischen Christen aus dem Irak einzuräumen, erteilte Gabriel eine klare Absage.

Die Ergebnisse bleiben abzuwarten, es war aber in jedem Fall ein gutes und konstruktives Gespräch. Eines ist klar, der nächste Winter steht vor der Tür. Ob dieser in Kurdistan so mild wird wie der vergangene weiß niemand. Einzig dieser Tatsache war es zu verdanken, dass die Opferzahlen - jeder Tote ist einer zu viel - überschaubar blieben.

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