Am 29. Januar 2017 wurde in Bielefeld eine neue Interessenvertretung mit dem Namen „Zentralrat der Êzîden in Deutschland ZÊD“ gegründet.

Der Name ist bis auf die Schreibweise „Êzîden“ (direkte Ableitung aus dem Kurdischen) statt „Êzîden“ (direkte Ableitung aus der internationalen Schreibweise Yezidi) deckungsgleich mit unserem Namen. Die Gründe für die Namensgebung, der wir zugestimmt haben, liegen auf der Hand: „Es gelte von der in der deutschen Öffentlichkeit bekannten, sehr positiven Arbeit des bisherigen Zentralrats der Jesiden zu profitieren“ und sich in die Reihe der bestehenden Zentralräte anderer Religionsgemeinschaften einzuordnen, so in einem Protokoll des Gründungskomitees des ZÊD.

Dem Dachverband mit Sitz in Bielefeld gehören 29 jesidische Organisationen an. Er wird die Interessen der Êzîden in Deutschland national und international vertreten. Neuer Vorsitzender ist Dr. Irfan Ortac.
Wir blicken auf zehn Jahre eines kontinuierlichen Einsatzes für die Êzîden nicht nur in Deutschland zurück. Vieles konnte erreicht werden. Dazu gehörte auch das Bemühen, die regionalen Interessenvertretungen in einem Dachverband zu vereinen, das jetzt zum Erfolg führte. Die sind damit umfassend organisiert.

Für uns bedeutet daher die Neugründung des ZÊD folgerichtig die baldige Auflösung. Unsere Mitgliedsvereine werden ihre Arbeit in den Gremien im ZÊD weiterführen.

Nach der Gründung im Jahr 2007 in Oldenburg haben wir öffentlich Stellung bezogen, auch bei schwierigen Themen. Wir haben auf regionaler und auf Bundesebene Gehör bei Politik und Medien gefunden und wurden vielfach zum zentralen Ansprechpartner. Das gilt auch für die Zeit der schlimmsten Krise der Êzîden, dem Völkermord im Shingal. Wir wurden mit unserem Wunsch nach Hilfe gehört – bis hin zur Kanzlerin, ihrem Stellvertreter, dem Außenministerium, vielen Bundestagsabgeordneten, Fraktions- und Parteivorsitzenden und hohen Vertretern der evangelischen und der katholischen Kirche. Seit dem 3. August 2014 haben wir Projekte für geflüchtete Êzîden aus dem Shingal-Gebiet realisieren können. Dazu gehörten Hilfslieferungen ins Krisengebiet und nicht zuletzt die Einrichtung eines Betreuungs- und Qualifizierungszentrum für 100 Frauen, Mädchen und Kinder in Sharya-Kurdistan – Dank großzügiger Spenden von vielen Menschen. In Berichten und Interviews im Radio und Fernsehen haben wir auf die Not der Flüchtlinge und die spezielle Situation der Êzîden in Kurdistan-Irak Aufmerksam gemacht. Wir waren Initial für das Sonderaufnahmeprogramm des Landes Baden-Württemberg von 1.000 schwersttraumatisierten Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak nach Deutschland.

Eine Notsituation tat sich im vorigen Jahr in Griechenland auf, wo Êzîden unter unsäglichen Bedingungen und teilweise von anderen Flüchtlingen bedroht existieren. Wir versuchen, mit Geldspenden, ehrenamtlichen Helfern und Gesprächen mit Politikern und Hilfsorganisationen Erleichterungen zu schaffen.

Wir danken allen unseren Freunden, Mitgliedsvereinen und deren Mitgliedern, Unterstützern und Spendern und bitten sie, dem neuen Zentralrat ebenso das Vertrauen entgegenzubringen. Wir appellieren an alle Êzîden, die neue bundesweite Interessensvertretung zu unterstützen und sich anzuschließen, wo sie dies noch nicht getan haben. Nur gemeinsam sind wir stark.

Zentralrat der Jesiden in Deutschland, 11. Februar 2017.

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