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Am Samstag, 27.06.2015 um 11.30 findet im ARRI Kino die Weltpremiere von HÁWAR – MEINE REISE IN DEN GENOZID außerhalb des regulären Filmfest-Programms statt. Regisseurin Düzen Tekkal und Barefoot Films laden herzlich dazu ein.

 

Einer der ältesten Religionsgemeinschaften der Welt droht die Vernichtung. Eine halbe Million Yeziden sind auf der Flucht vor den IS-Terroristen. Der Islamische Staat macht Jagd auf sie. Für die streng gläubigen Muslimen sind Yeziden Teufelsanbeter, die sie zwangskonvertieren oder töten müssen. Über 5.000 Yeziden sind diesem Kreuzzug auf bestialische Art zum Opfer gefallen – die Dunkelziffer ist noch viel höher. Dieser Krieg trifft auch die Yeziden in Deutschland. Viele von ihnen leben hier, während ihre Angehörigen im Nordirak oder Syrien sterben.

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HÁWAR erzählt von der Reise der Yezidin Düzen Tekkal und ihrem Vater Seyhmus zurück zu ihren Wurzeln. Die Journalistin, die mit ihrer Familie ein glückliches Leben in Deutschland führt, reist zum zum ersten Mal zum Ursprung ihres Glaubens, in die yezidischen Siedlungsgebiete in den Nordirak. Dorthin, wo die Terrormiliz des islamischen Staats unfassbare Gräueltaten verübt. Die Bilder und Propaganda-Videos der Täter kennt die ganze Welt. Dieser Dokumentarfilm zeigt die andere Seite, die noch nicht erzählt wurde: Der Genozid an den Yeziden. Es sind Schicksale von Vätern, Müttern und Kindern, die Schreckliches erlebt haben und immer noch erleben. Sie haben die Hoffnung auf Rettung aufgegeben. Ihrem Glauben bleiben sie treu, denn das ist alles was sie noch haben – bis zu ihrem Tod. HÁWAR beweist, dass Völkermorde auch 70 Jahre nach dem Holocaust grausame Realität sind, während die Welt beinahe tatenlos zuschaut. Seit jeher bedeutet HÁWAR in der kurdischen Sprache „Hilferuf“. Heute ist dieses Wort ein Synonym für „Völkermord“.

Die Tickets sind kostenlos. Anmeldung bis Freitag, den 26.06. an filmfest-muc@hawar.tv.

 

Quelle: http://www.filmfest-muenchen.de/de/festival/news/2015/06/hawar/

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Am Montagnachmittag hat sich Stephan Albani (MdB, CDU) mit Telim Tolan und Holger Geisler im Yezidischen Forum in Oldenburg getroffen. Eine Delegation des Zentralrates der Yeziden in Deutschland hat Anfang Juni eine Reise in das Krisengebiet Kurdistan unternommen und die Gesprächspartner berichteten Herrn Albani von ihren Eindrücken.

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Telim Tolan (ZYD), Holger Geißler (ZYD), Stephan Albani (MdB,CDU), Iskan Tolan (YF)

In dem Flüchtlingscamp im Irak leben ca. 15.000-20.000 Menschen, die nicht nur vorübergehend in dem Camp leben, denn die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 17,3 Jahre.

Es steht nur ein Klassenzimmer zur Verfügung in dem mit Schichtwechsel ca. 1000 Kinder beschult werden können. Ein sehr großes Problem ist das fehlende Trinkwasser, denn es herrschen dort Temperaturen von weit über 40 Grad. Auch die Politik war ein Programmpunkt der Reise.

In den nächsten Wochen werden weitere Gespräche mit Stephan Albani geführt, wie  die Yesiden weiterhin unterstützt werden könnten.

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Landkreis Verden (ots) -

Fachtag zum Thema „Yeziden“ war ein voller Erfolg
Verden (hc).
Letzte Woche fand ein vom Landkreis Verden und der Polizeiinspektion  Verden/Osterholz organisierter Fachtag zum Thema „Yeziden – Historie, Situation in Deutschland, mögliche Problemlagen…“ statt.  Es waren  Vertreter der Landesschulbehörde, des Jugendamtes, des Landkreises,   der Stadt, der Justiz, von Schulen und Beratungsstellen und  Polizisten und Polizistinnen in den Kreistag des Landkreises Verden  eingeladen.
„Zusammenleben bedeutet nicht nur räumliche Nähe, sondern auch das  Zusammentreffen verschiedener Kulturen. Damit dies zu einem möglichst konfliktfreien Erleben wird, ist es wichtig, viel über die jeweils  andere Kultur zu wissen“, so Uwe Jordan in seinen einleitenden  Worten. Diesem Gedanken Rechnung tragend hat sich die  Polizeiinspektion Verden/Osterholz der Thematik „Vertiefung und  Weiterentwickelung der Interkulturellen Kompetenz“ innerhalb der  eigenen Mitarbeiterschaft verschrieben. Bereits in der Vergangenheit  entwickelte die Polizeiinspektion Verden/Osterholz gemeinsam mit dem  Landkreis und der Stadt Osterholz-Scharmbeck ein entsprechendes  Fortbildungsangebot für Verwaltungsmitarbeiter/-innen und  Polizisten und Polizistinnen.  In diesem Jahr wird dieses Angebot analog im  Landkreis Verden umgesetzt. Darüber hinaus sucht die Polizei im Sinne des gegenseitigen Kennenlernens seit nunmehr drei Jahren den Kontakt  zu örtlichen Gruppen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund.  Am vergangenen Mittwoch nun fand der erste Fachtag statt.  Bis zu 80.000 Menschen yezidischen Glaubens leben in Deutschland, ein großer Teil davon in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Ein  Teilnehmerkreis von 150 Personen verfolgte die interessanten  Vorträge.
Die Referentin Gülcan Düman vom Yezidischen Forum Oldenburg e.V.  berichtete einleitend über Grundsätzliches zur Yezidischen Religion  und deren Historie.
Fulya Kurun informierte über das Thema „häusliche Gewalt“ im  Allgemeinen und im yezidischen Umfeld. Frau Kurun ist im  interkulturellen Dienst der Zentralen Polizeidirektion Hannover  tätig. Mit ihrer Mediationsarbeit verfolgt sie unter anderem das  Ziel, für Beteiligte im Rahmen häuslicher Gewalt tragbare Kompromisse zu erreichen, um so eine Eskalation der Situation zu vermeiden. Neben ihrer Mediationstätigkeit gibt Frau Kurun als Referentin bei der  Polizeiakademie Niedersachsen ihr umfangreiches Wissen in diesem  Themabereich im Rahmen zentraler polizeiinterner Fortbildung an  Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen weiter.
Über das Thema „Gemeinsam gegen Zwangsheirat“ referierte Yildiz  Demirer. Frau Demirer ist vom Niedersächsischen Krisentelefon GEGEN Zwangsheirat – Kargah e.V.  Zwangsheirat sei sicher kein rein yezidisches Phänomen, so Frau  Demirer, trotzdem trifft dieses Problem durchaus in nicht  unerheblichem Ausmaß Angehörige der yezidischen Religion. Die  mehrsprachigen Mitarbeiter des Krisentelefons (0800/0667888) geben  ihren Rat an „jede Frau“ und „jedermann“ vertraulich und unabhängig  von Geschlecht,  Herkunft, Religion und Kultur weiter. Anschließend stellte der 22-jährige angehende Lehrer und  Jugendreferent der Yezidischen Gemeinde Osterholz e.V. , Herr Mizgin  Ciftci, das Projekt „JugendPotenziale in Osterholz stärken“ vor. Das  Projekt ist offen für alle jungen Bürger der Stadt und beinhaltete unter anderem ein Modul zur Gewaltprävention.  Den Abschluss der Vortragsreihe bildete der 28-jährige Deniz Tuac aus Verden, der am Domgymnasium sein Abitur machte, anschließend  Rechtswissenschaften studierte und nun angehender Jurist ist. Herr Tuac berichtete von seinem bisherigen Leben und sicherte sich durch seine herzliche, offene und humorvolle Art die Sympathie der  Zuhörer.
Der Fachtag endete mit einer durchaus lebhaften und zum Teil  kontroversen Diskussionsrunde. Alle Referentinnen und Referenten  nahmen an dieser Diskussionsrunde teil, die durch Frau Behye Tolan  (seit 15 Jahren  als Frauenbeauftragte im Yezidischen Forum e.V. in Oldenburg tätig) verstärkt wurde. Es kristallisierte sich schnell als Schwerpunktthema das „Endogamiegebot“ heraus, welches den gläubigen  Yeziden auferlegt, sich nur innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft ihre Ehepartner zu wählen. Ein Gebot, das vor Jahrhunderten im Yezidentum eingeführt wurde, aber nicht religiös begründet ist, sondern für die Gläubigen und ihre Religion als elementarer Schutz vor Verfolgung  diente und dient. Diese Tradition gilt auch heute im Yezidentum.  Für junge Yeziden, die in der Sicherheit und Religionsfreiheit von  Europa bzw. Deutschland aufgewachsen sind, kann die Beachtung dieses Gebotes zu erheblichen Konflikten mit ihrer ansonsten gern gelebten Religion führen. Diese Konflikte wirken sich auf die gesamte  Familienstruktur aus. In Einzelfällen gipfeln sie in der Anwendung  häuslicher Gewalt und damit in der Begehung von Straftaten.
Von den anwesenden Referentinnen und Referenten wurde diese Problematik in keiner Weise bestritten oder schön geredet, alle bekannten sich persönlich ausdrücklich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. Dem Ziel, Unsicherheiten im Umgang mit dem „Anderen“ abbauen zu  helfen, in dem Wissen über das „Fremde“ vermittelt wurde, sind die  Teilnehmer des Fachtages sicher ein Stück näher gekommen. Ebenso  dürfte für den Wunsch nach einer Netzwerkbildung aller mit dem Thema Integration befasster Behörden und Institutionen ein erster Schritt gelungen sein. Sehr hilfreich wurde von vielen Teilnehmern das konkrete Hilfsangebot der Referentinnen und Referenten empfunden, in Einzelfällen und Konfliktfällen allen Ratsuchenden zur Seite zu  stehen.